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Digitale Transformation gemeinsam gestalten

Anne M. Schueller
Verfasst von Anne M. Schueller

04. Oktober 2019

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Die Industrialisierung revolutionierte die körperliche Arbeit, die Digitalisierung krempelt nun die geistige Arbeit um. Nur wer neue Technologien willkommen heißt und lernt, mit künstlichen Intelligenzen zu kollaborieren, wird in Zukunft am Markt bestehen.

Künstliche Intelligenzen sind Spezialisten auf einem ganz bestimmten Gebiet. Menschen hingegen sind Generalisten. Sie punkten mit Humor, Empathie, Instinkten, Impulsivität, Spiritualität, mit dem Spiel der Sinne, Fingerspitzengefühl, Improvisationstalent, Verhandlungsgeschick und gesundem Menschenverstand. Und ganz besonders mit der Lust am Sozialen, das, was der Anthropologe Lionel Tiger „Sociopleasure“ nennt. Wer es auf solchen Gebieten zur Könnerschaft bringt und sich zudem beruflich stets weiterentwickelt, ist im Digitalzeitalter vorn.

Natürlich wird die zunehmende Digitalisierung Arbeitsplätze schlucken, das war bei jedem Technologiesprung auch in der Vergangenheit so. Doch es werden auch neue Berufe entstehen, die zum Teil heute noch nicht einmal vorstellbar sind. Diese haben vor allem mit Innovieren, Adaptieren, Kombinieren, Experimentieren, Koordinieren, Kollaborieren, Flexibilisieren, Individualisieren und Emotionalisieren zu tun. Sie verlangen Anpassungsvermögen und, überaus wichtig, ein Gespür sowohl für die Menschen als auch für die neueste Technologie.

Was menschliche Intelligenz zu bieten hat

Menschliche Intelligenz (MI) kann mit einem ungeheuren Variantenreichtum punkten. Unter anderem gibt es die logische, sprachliche, musikalische, räumliche, somatische und emotionale Intelligenz. Um uns fit für die Zukunft zu machen, müssen wir nun noch rasch zwei neue Intelligenzen entwickeln:

  • die adaptive Intelligenz, die sich auf die ständig neuen, unaufhaltsam auf uns einprasselnden Umstände schnell und flexibel einstellen kann, und
  • die digitale Intelligenz, die Technologien so weit durchdringt, dass sie das Echte vom Falschen und das Gute vom Bösen unterscheiden kann.

Ist das erlernbar? Ja, natürlich. Durch fortwährendes Üben. Ab 50 lernt man nichts mehr? Pah! Unser Gehirn ist eine lebenslange Baustelle - die Wissenschaft nennt das Neuroplastizität. Durch ausreichendes Wiederholen entwickeln sich Automatismen, die vom Bewussten ins Unterbewusste, dem sogenannten Autopiloten, rutschen. Hierdurch werden Abläufe routinierter, gewandter und wirkungsvoller. Was menschenmöglich ist, erweitern wir, seitdem es uns Menschen gibt. Die Evolution favorisiert ehrgeiziges Leben, das sich an die jeweiligen Umstände aktiv anpassen kann.

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Bedeutsam ist zudem die auf den Persönlichkeitspsychologen Raymond Bernard Cattell zurückgehende Unterscheidung zwischen fluider und kristalliner Intelligenz. Fluide Intelligenz umfasst Fähigkeiten wie schnelle Auffassungsgabe, bewegliches Handeln und das Hervorbringen origineller Problemlösungen. Die fluide Intelligenz nimmt tendenziell mit dem Alter ein wenig ab. Die kristalline Intelligenz hingegen nimmt im Alter zu. Zu ihr gehören ein breites Wissen, durch Erfahrung genährte Intuition und der Blick für Zusammenhänge. Fluide und kristalline Intelligenzen werden in Unternehmen gebraucht. Sie müssen miteinander verknüpft werden und zusammenwirken.

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Was künstliche Intelligenz zu bieten hat

Wenn es um Effizienz, Schnelligkeit, große Stückzahlen, Informationsberge, niedrige Kosten, reine Routinen und/oder das Bewältigen repetitiver, anstrengender, schmutziger, ungesunder und gefährlicher Arbeiten geht, liegt künstliche Intelligenz (KI) vorn. Sie lernt irre flott, weil sie auf riesige Datenmengen zugreifen, diese in Bruchteilen von Sekunden verarbeiten und alles miteinander vernetzen kann. Sie braucht höchstens Stunden da, wo Menschen Wochen, Monate, Jahre brauchen.

Selbstlernende Softwareprogramme können nicht nur von sich aus intelligenter werden, sie sind längst auch kreativ. Einige beginnen bereits autonom nach Betätigungsfeldern zu suchen, weil man ihnen Belohnungsprogramme eingepflanzt hat. Sie bringen sich selbst etwas bei. Sie können Geschichten schreiben, Symphonien komponieren, eigene Kunstwerke erschaffen, Emotionen interpretieren und scheinbar Mitgefühl zeigen. Zu Gruppen zusammengeschlossen entwickeln sie Schwarmintelligenz. KI kann sich selbst programmieren und sich replizieren, also selbständig neue Intelligenzen gebären. Dabei bildet sie keine menschliche Intelligenz nach, sondern geht eigene Wege, die die Entwickler heute zum Teil noch nicht mal verstehen, weil KI ja selbstständig weiterlernt - was in der Tat beunruhigend ist, wenn es in die falsche Richtung geht, weshalb eine Abschaltoption unter allen Umständen bei den Menschen verbleiben muss.

Intuition, Fantasie, Ethik, Werte, Moral: Die Technologie per se kennt all das nicht. Sie kann und wird aber viel von uns lernen. Sie übernimmt das Gute und das Schlechte in uns. Wer eine mächtige Technologie entwickelt, löst immer einen Wettlauf zwischen Gut und Böse aus. In den Händen der Falschen ist sie ein Teufelszeug. KI braucht also zwingend und dringend einen ethischen Rahmen und KI-Sicherheit.

Wie KI die Arbeit und das Lernen verändert

Jobs werden nicht weniger, sondern anders, nämlich hochwertiger und damit auch anspruchsvoller. Und sie verändern sich ständig. Das wiederum bedeutet:

Damit die Beschäftigten mit den Herausforderungen der zukünftigen Arbeitswelt Schritt halten können, sind lebenslanges Lernen, hohe Flexibilität und ständige Bereitschaft für Wandel ein Muss.

Die üblichen Standard-Weiterbildungsprogramme, durch die klassischerweise so ziemlich jeder durchgeschleust wird, ob er das braucht oder nicht, sind obsolet. Also Schluss mit dem Vorratslernen von Inhalten, die man nicht braucht. Das langweilt und schafft Gleichgültigkeit. Schluss auch mit verordneten Trainings und Einheitsprogrammen. Sowas bringt wenig Nutzen und verschlingt eine Unmenge Geld. In Zukunft muss die Mitarbeiterentwicklung präzise und „just in time“ auf die individuelle Situation zugeschnitten werden. Sie erfolgt in Häppchen und interaktiv, meist mithilfe von Online-Modulen, die von überall aus abrufbar sind. So sind Schulungen, die früher tagelang dauerten, heute per KI-Mentoren oder via VR- und AR-Tutorials, also über Brillen, die einen mit der virtuellen Welt verbinden, innerhalb weniger Stunden absolvierbar. Frei von Hemmschwellen kann man sein Wissen auch im Dialog mit digitalen Assistenten vertiefen. Zudem lernt die Belegschaft miteinander, indem sie selbstmotiviert entsprechende Circles, also Lernkreise, bildet und ihr Wissen in Learning Communities teilt.

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Neben einer gezielten und zugleich situativen Weiterentwicklung durch den Arbeitgeber ist also auch Eigeninitiative gefragt. Wer sein Qualifizierungsniveau nicht ständig aus eigenem Antrieb erhöht, entsorgt sich in Zukunft selbst. 62 Prozent der Wissensarbeiter kümmern sich selbst um ihre Weiterbildung, und 59 Prozent entwickeln ihre Themengebiete in ihrer Freizeit weiter, so bereits die Wissensarbeiterstudie 2017.

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