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Digitale Transformation gemeinsam gestalten

Britta Bonten
Verfasst von Britta Bonten

02. August 2019

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Im Prozess des agilen Arbeitens passieren Fehler. Sie sind der Ursprung neuer Denk- und Vorgehensweisen. Doch wie lernen wir, im Arbeitsalltag mit Fehlern besser und erfolgreicher umzugehen?

"Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler machen. Aber ein bisschen früher, damit ich mehr davon habe.                      "

Im Gegensatz zu Marlene Dietrich meinen manche Menschen, ab einem gewissen Alter einen „fertigen“ Zustand erreicht zu haben. Sie meinen, ausreichend Wissen angesammelt zu haben und wüssten, in allen Lebenslagen richtig zu entscheiden.  Fehler durchkreuzen in den Augen dieses Menschen-Typs das perfekte Idyll seiner Selbstwahrnehmung und sind ein absolutes No-Go. Dass ein Fehlgriff, ein Malheur oder auch ein Irrtum unbekannte, meist sogar positive Auswirkungen hat, sieht er leider nicht. Denn erst wenn wir Fehler näher betrachten, offenbaren sich oft ungeahnte Möglichkeiten.

Wie wir also mit Fehlern richtig umgehen, durch sie (Neues) lernen und Lösungsansätze für die VUCA-Welt finden können, erfahren Sie in den nachfolgenden Zeilen.

Der richtige Umgang mit Fehlern

Warum fällt es uns so schwer, mit unseren eigenen Fehlern oder denen anderer richtig umzugehen? Die Antwort liegt vor allem in der menschlichen Evolution. Bei uns haben sich zwei grundlegende Reaktionsmuster durchgesetzt, wie wir allgemein auf Fehler reagieren: einerseits mit Flucht und Ignoranz, andererseits mit Abstreiten und Rechtfertigungsmechanismen. Heißt das, wir sind Opfer unserer eigenen Entwicklung und können also nichts für unsere Reaktion? Nicht wirklich. Denn die Evolution geht ja weiter – wir entwickeln uns als Menschen ständig weiter, als Individuum, aber auch als Spezies. Wir fühlen uns allein aus dem Ur-Instinkt des Forschens, der Neugier und dem Weiterkommen angetrieben, unser Leben mit allen Annehmlichkeiten zu perfektionieren à la „besser, schneller, weiter“.

 Kinder besitzen eine angeborene Stehaufmännchen-Mentalität. Die Summe vieler kleiner Fehlversuche ist ein riesiger und damit wichtiger Erfahrungsschatz, der unser Verhalten, unser Leben prägt. Während Kleinkinder sich nicht von neuen Lern-Versuchen entmutigen lassen, verlieren Schulkinder im Laufe der Zeit diesen natürlichen Antrieb. Ganz nach dem Motto: Mach‘ bloß keinen Fehler!

Lesen Sie auch: Das agile Mindset

Um dieses erlernte Muster der Fehlervermeidung zu durchbrechen, hilft uns die Herangehensweise, von der der britische Journalist Tim Harford in seinem Buch „Trial and Error“ schreibt. Über allem steht der Glaubenssatz: „Ich habe versagt, aber ich bin kein Versager." Harford rät, unsere Fehler zuzugeben, sie zwingend zu nutzen, um daraus zu lernen, um für die komplexe (VUCA-) Welt kreative Lösungen zu finden. Nur so gelängen uns neue Erkenntnisse und Innovationen. Nur so werden wir "agiler".

Unser Download zum Thema:

Leitfaden: Einführen einer positiven Fehlerkultur

Leitfaden: Einführen einer positiven Fehlerkultur

Fünf Tipps für ein gutes Fehlermanagement:

1. Fehler sind erlaubt: Kommunizieren Sie klar und offen, dass alle Mitarbeiter Fehler machen dürfen (hierarchieunabhängig).

2. Als Chef sind Sie Vorbild: Sprechen Sie offen an, welche Fehler Sie schon gemacht haben und was Sie daraus lernen konnten.

3. Metakognition: Entscheidend für einen besseren Umgang mit Fehlern ist auch die sog. Metakognition: das Denken über das tägliche Denken und Fühlen im Job. Regen Sie dazu an, dass sich jeder einzelne damit auseinandersetzt. Folgende Fragestellungen helfen dabei: „Warum habe ich das falsch gemacht? Wie ist es passiert? Was könnte ich tun, damit es nicht wieder passiert?"

4. Fehlerprävention: Alle Mitarbeiter sind an der Fehlerprävention beteiligt. Das bedeutet: Alle achten gemeinsam auf Probleme. Jeder Mitarbeiter darf sich trauen, auf Fehler aufmerksam zu machen. Dies gelingt vor allem dann, wenn auch Chefs und Führungskräfte Fehler leichter eingestehen können.

 5. Loben Sie mehr: Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern und Kollegen regelmäßig Ihre Wertschätzung, indem Sie sie für gute und erfolgreiche Arbeit, auch für kleine Teilerfolge, loben. Das fördert die Motivation und das Selbstvertrauen im Team.

 

Video-Inhalt: Dies ist ein Auszug aus dem  ELUCYDATE Online Training "Agiles Arbeiten". Mit ELUCYDATE bietet die WEKA Learning Group Online Trainings aus den Bereichen Management, Persönliche Entwicklung, Kommunikation, Kreativität & Effektivität sowie Digitalisierung. ELUCYDATE ist die Online-Trainingsplattform für Soft Skills, Business Basics und Digitalkompetenzen und bietet mit modularen Kursen allen Mitarbeitern eines Unternehmens konzentriertes Wissen für ein modernes und selbstorganisiertes Lernen.

Statements aus der  Gesellschaft

Als Verhaltenstherapeutin hat Deirdre Mahkorn in den letzten Jahren zunehmend beobachtet, dass die nachfolgende Generation extrem hohe Ansprüche an die eigene Leistung hat. Viele sehr junge Menschen sehen sich bereits als "gescheitert" an. Ihrer Meinung nach scheint sich die Fehlertoleranz insgesamt verändert zu haben. Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, dies zu ändern. So sieht es jedenfalls Olaf Morgenroth, Psychologe und Fehlerforscher der Hamburg Medical School. Ihm zufolge hängt es auch von der Gesellschaft ab, ob und wann sich ein Mensch als gescheitert sehe, wenn die Leistung als Kriterium für die soziale Rolle und das Selbstbild eines Menschen zunehmend wichtiger wird.

 „Scheitern bringt Menschen sogar dazu, Neues an sich selbst und der Umwelt zu erkennen, aus Denk- und Handlungsroutinen auszubrechen und sich auf andere Erfahrungen einzulassen“, so Olaf Morgenroth.

Wie lässt sich das im Unternehmen umsetzen?

Wichtig ist zunächst, das richtige Mittelmaß bei der grundlegenden Einstellung aller Mitarbeiter zu finden: Eine extreme Fehlertoleranz suggeriert, dass man sich beliebig viele Fehlschüsse leisten kann und es keinen interessiert, Fehler zu vermeiden. Fehlerinflation wäre die Folge. Und auch dieselben Fehler mehrfach zu machen, findet zieht keinen Nutzen nach sich. Anders bei der extremen Intoleranz gegenüber Fehlern. Hier regiert die bloße Angst, ja keinen Fehler zu begehen – ein Druck, der  kontraproduktiv ist und zur Leistungs-Blockade führen kann.

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