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Digitale Transformation gemeinsam gestalten

Miriam Lerch
Verfasst von Miriam Lerch

02. Oktober 2019

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Mit diesem leicht provokanten Titel beginnt unsere dritte Podcast-Folge und zunächst möchte ich erst einmal klären, was Spaß an dieser Stelle bedeutet. Darunter verstehen viele Menschen ja ganz unterschiedliche Dinge. Für mich steht der Begriff für Freude, Erfüllung, Glück. Ich möchte deshalb gleich zu Beginn mit „Ja, auf jeden Fall!“ antworten....

Denn Arbeitsräume sollten Orte sein, an denen wir uns entfalten, mitwirken und verwirklichen können. Arbeitsorte sollten Räume sein, an denen ein respektvolles, faires Miteinander möglich ist. Arbeit sollte nicht Ausbrennen, sondern Entzünden… und das tut sie im besten Fall, wenn sie eine Umgebung schafft, in der wir wir selbst sein können, eine Umgebung, in der wir keine Rolle spielen müssen.

Digitale Transformation bedeutet, wie in Folge 1 erwähnt, ja nicht nur technische Neuerungen durch Tools und Systeme, sondern rückt den Menschen wieder mehr in den Mittelpunkt. Bisher waren Arbeitsorte oft Räume, in denen wir eine „Rolle“ gespielt haben. Das fängt beim Bewerbungsprozess an, wo jeder Bewerber versucht sich möglichst gut und passend darzustellen. Oftmals spielt dieser in den Minuten des Bewerbungsinterviews seine Rolle auch perfekt, merkt aber vielleicht im Alltag später, dass das nicht die Rolle ist, in der er sich rundum wohl fühlt und seine volle Leistung bringen kann.

Wenn wir an die Zukunft der Arbeit denken, dann sollte das Rollenprinzip immer unwichtiger werden: Denn eine Rolle ist oft verbunden mit einem „Verkleiden“. So wie man im Theater für seine Rolle in ein Kostüm schlüpft, so zieht der Manager seine Rolle an, in dem er sich den Anzug und die Krawatte anlegt. Der Trend, Business-Dresscodes abzulegen und Casual auf Firmenveranstaltungen zu erlauben, setzt sich bei immer mehr Firmen durch. Denn wer läuft zu Hause schon freiwillig mit Sakko und und Krawatte herum? In vielen Berufen ist das „Verkleiden“ aber immer noch üblich und erfüllt seinen Zweck, z.B. zur Sicherheit (Arbeitsschutz, Brandschutz, Hygiene-Vorschriften). In bestimmten Branchen ist es also normal und notwendig und das ist auch völlig legitim. In anderen hingegen wirkt das „Verkleiden“ zunehmend unauthentisch, abgehoben und fremd.

Warum Arbeit Spaß machen sollte

Was bedeutet dieser Mindshift also für die Praxis ganz konkret? Und warum sollte Arbeit „Spaß“ machen? Ja warum muss sie sogar Spaß machen? Ganz einfach: Weil wir in Zeiten der Disruption, der Komplexität, der Ungewissheit und in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter brauchen, die nicht nur wegen ihrer Pflichterfüllung zum Job gehen, sondern Mitarbeiter, die mitdenken und gemeinsam neue Ideen generieren. Automatisierung bietet uns die Möglichkeit unliebsame Tätigkeiten technisch zu lösen oder uns zumindest zu unterstützen. Wie hat das Kopiergerät und später der Scanner die Welt verändert: Abschreiben ade! Heute gibt es gute Foto-Apps mit integrierter Wort- und Schrift-Erkennung, die das Digitalisieren von Papier-Dokumenten erleichtern. Es gibt inzwischen Sprach-Assistenzsysteme, von denen unsere Großeltern nur träumen konnten. „Andromeda, mach mal bitte das Licht an!“ Ist das nicht genial? Können Sie sich an einen Moment in letzter Zeit erinnern, wo Sie genau diesen „Wow“-Effekt erlebt haben?

Digitale Transformation ist also die Chance der Arbeit einen neuen Sinn zu geben und neu zu denken und allerlei technische Helferleins zu nutzen, damit wir wieder mehr „Spaß“ haben. Doch Achtung: Das alleine genügt NICHT!

Denn es braucht eine Umgebung, die uns wohlfühlen lässt. Eine Umgebung, die Wertschätzung und Vertrauen erzeugt.

 

Es braucht Kollegen, mit denen wir uns auf Augenhöhe unterhalten können und auf die wir uns verlassen können. Hier ist es an den Unternehmen, den Rahmen dafür zu schaffen: Stichwort Vertrauenskultur. Weg von Kontrollmechanismen, wie der Stechuhr, hin zu vertrauensermöglichenden Maßnahmen, wie Vertrauensarbeitszeit, Agiles Arbeiten, Anschaffung von Mietwägen für einzelne Personengruppen oder gar transparente Gehälter. Möglichkeiten gibt es viele und man kann in kleinen Schritten beginnen eine Umgebung schaffen, in der Vertrauen entstehen kann.

Change to New Work

Zum Abschluss möchte ich gerne 3 Tipps mit auf den Weg geben, wie man (nicht nur als Führungskraft) mit einfachen Mitteln das Vertrauen und Wohlfühlen in der Arbeit fördern kann:

1. Ehrliche Komplimente machen:

Der Reinigungskraft oder dem Facility-Management einfach mal Danke sagen für ihr oft unsichtbares Dasein und Helfen. Der Kollegin sagen, dass sie heute so strahlt und dass es ihr sehr gut steht. Der Bäckersfrau hinter der Theke erzählen, dass sie trotz Andrang um 8 Uhr morgens immer so geduldig bleibt und man das sehr schätzt. Dem Kollegen mitteilen, dass man sich immer freut, wenn er das Meeting mit einem Witz auflockert.

2. Neue Meetingmethoden ausprobieren:

Wie zum Beispiel das sogenannte „Check-in“ am Anfang einer Besprechung oder eines Meetings. Beim Check-in reflektieren alle Teilnehmer, die gerne möchten, kurz wie es ihnen gerade geht, was sie beschäftigt und woran sie vorher gedacht haben. Was also gerade so bei Ihnen los ist. Dabei finden sowohl berufliche als auch private Themen Platz. So entsteht eine Atmosphäre des Vertrauens und jeder bekommt die Möglichkeit durch das Erzählen das „vorher“ abzulegen und sich nun voll und ganz auf das Meeting zu konzentrieren…

Oder als weiteres Meeting-Format einfach mal ein „Walk and Talk“ Meeting oder „Geh-spräch“ ausprobieren. Walk and Talk bedeutet, dass man sich nicht wie sonst im Besprechungsraum trifft um Dinge zu besprechen oder zu entscheiden, sondern ganz einfach vor die Tür geht. Das bedeutet aber, wenn das Büro z.B. mitten in der City steht, dass man nicht an der verkehrslauten Hauptstraße entlang läuft, sondern lieber in einen Park, eine Grünanlage, oder auf das Feld geht und dann zusammen im Laufen (ganz wichtig!) Dinge bespricht. Dazu kann man wunderbar sein Smartphone oder Tablet unter den Arm packen um sich Notizen zu machen oder Dinge grafisch zu erläutern oder man nimmt ganz klassisch Block und Stift mit. Es ist erstaunlich, was dabei passiert: Das Gehirn wird mit frischem Sauerstoff versorgt und lässt kreative Äußerungen zu. Oder der Kollege traut sich plötzlich Dinge anzusprechen, die er sich vielleicht nicht in der 1:1 Frontalsituation im Meetingraum getraut hätte zu sagen. Das Walk and Talk Meeting oder Geh-spräch ist deshalb besonders für Meetings gut, in denen schwierige oder kritische Dinge besprochen werden müssen. Einfach mal ausprobieren!

3. Für Mutige und Spontane: Alte Verhaltensmuster durchbrechen und was Neues wagen:

Das bedeutet zum Beispiel, dass man sein Team mal zu sich nach Hause einlädt und gemeinsam kocht, anstatt auswärts essen zu gehen. Oder, und das habe ich selbst ausprobiert: Dass man sein Schulkind einfach spontan mit zur Arbeit bringt, weil in den Ferien gerade keine andere Betreuungsmöglichkeit verfügbar ist. Ich kann so viel verraten: es entstehen erstaunliche Dinge! Man entdeckt einzelne Kollegen zum Teil ganz neu, weil sie sich im Umgang mit Kindern ganz unverkrampft verhalten und weniger „ihre Rolle“ spielen. Probieren Sie’s einfach mal aus.

In den nächsten Wochen wird es noch ein spannendes Interview zum Thema Vertrauen geben, und welche Rolle es für die Unternehmenskultur spielt.

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