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Lars-Peter Linke
verfasst von Lars-Peter Linke
Was macht ein Scrum Master

Scrum ist das Gebot der Stunde. Viele Unternehmen setzen auf flexible Strukturen, schnelle Prozesse und kurze Reaktionszeiten. Gesucht und umworben wird der Scrum Master als „Meister“ des agilen Projektmanagements. Wie aber wird man Scrum Master? Auf welche Faktoren kommt es an?

Die Job-Aussichten für Bewerber sind deshalb so rosig, weil der Bewerbermarkt so gut wie leergefegt ist. Es gibt nicht viele, die agil denken, agil handeln, agil weiterbilden und auch bei Gegenwind Haltung zeigen und standfest bleiben können. Eine klassische Berufsausbildung gibt es nicht. Es kann sie gar nicht geben, weil ein festgeschriebener Ausbildungs- und Karriereweg dem Denken und den Aufgaben eines Scrum Masters widersprechen würde. Scrum Master wird man mehr mit dem Herzen als mit dem Kopf. Aber es gibt klar beschreibbare Kompetenzen, die man erwerben kann und in einer neuen Position als Scrum Master mitbringen sollte.

Viele Unternehmen, die einen Scrum Master per Stellenanzeige suchen, legen Wert darauf, dass ihr Wunschkandidat Berufserfahrung im Gepäck hat. Zwar wurde Scrum bereits in den 90er Jahren entwickelt. Richtig durchgesetzt hat es sich aber erst seit gut fünf bis zehn Jahren. Alte Scrum-Hasen mit jahrzehntelanger Erfahrung findet man selten. Wer trotzdem den begehrten Job bekommen und ausfüllen möchte, sollte vor allem mit persönlichen Kompetenzen punkten. Ein guter Scrum Master kann gut vermitteln und stark unterstützen. Vor allem versteht er sich auf die Kunst, sich selbst überflüssig zu machen.

Scrum Master als Diener dreier Herren: Team, Product Owner, Organisation
Der offizielle Scrum Guide, die Taschenbibel des agilen Projektmanagements, beschränkt sich bei der Beschreibung von Aufgaben und Kompetenzen eines Scrum Masters auf wenige Kernaussagen. Vor allem ist der Scrum Master dafür verantwortlich, die agile Philosophie im Unternehmen zu fördern und zu unterstützen. Im konkreten Projekt dient er stets drei Parteien: dem Product Owner als Auftraggeber und Sponsor für ein Projektthema, dem Projektteam selbst und schlussendlich natürlich der gesamten Organisation. Während der Product Owner Verantwortung für das Backlog, also die dynamische Liste der Arbeitsaufträge übernimmt, steht der Scrum Master dafür, dass das Team agil, selbstorganisiert und ergebnisorientiert arbeiten kann. Er (oder sie) ist ein Kümmerer, ein Rückenfreihalter, ein Motivator und der gute Geist im Hintergrund.
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Überblick, Weitsicht und ein Gespür für das richtige Wort im rechten Augenblick
Scrum Master sind selbst nicht vom Fach. Sie müssen also nicht programmieren können, wenn ihr Projektteam aus Programmierern besteht. Aber Branchen-, Prozess- und Unternehmens-Know-how schadet nie. Zwar muss der Scrum Master keinesfalls selbst Lösungen, Geistesblitze oder Produktvorschläge aus dem Ärmel schütteln. Aber wer Menschen unterstützen möchte, sollte wissen, worüber sie reden, was sie nachts wachhält und was von ihnen erwartet wird. Der Scrum Master ist nicht der fachliche Experte, nicht der kluge Berater und nicht der Lösungsbringer. Aber er macht den Weg frei. Er beseitigt Hindernisse, die das Team aufhalten können. Er hilft, die Unterstützung durch andere Kollegen und Stakeholder einzufordern. Vor allem aber weist er dem Team den Weg, wie es sich selbst zu organisieren und im Sinne der Scrum-Philosophie arbeiten kann: flink, flexibel, kreativ und interdisziplinär. Auch wenn der Scrum Master Scrum in höchstem Maße verinnerlicht haben sollte, wird er dem Team nie Anweisungen geben. Er muss sich auf seine Erfahrung als Coach und Moderator verlassen können, um sein Team unaufgeregt aber effizient dazu zu bringen, dass es Spannungen in der Zusammenarbeit wahrnehmen und selbst auflösen kann. Als wenn das nicht fordernd genug wäre, ist er auch dem Product Owner verpflichtet: Auch ihn muss er coachen und bei der effektiven Anlage und Verwaltung des Backlogs helfen. Das verlangt Überblick, Weitsicht und ein Gespür für das richtige Wort im rechten Augenblick. Selten betont aber immer vorausgesetzt wird deshalb eine ganz besondere Tugend für Scrum Master: Auch wenn die Rolle den „Master“-Titel im Namen führt, muss der Scrum Master frei von jeglichem hang zur Selbstdarstellung sein. Er darf keinerlei Anzeichen eines Helfersyndroms zu erkennen geben. Er ist weder Kapitän, noch Feuerwehrmann, sondern ein Begleiter und Mentor.

Erfahrene Scrum Master wissen, dass sie sich und dem Projektteam einen guten Dienst erweisen, wenn sie sich hier und da unsichtbar machen und ein funktionierendes Team „einfach machen“ lassen. Ihr Wirken verstärkt sich durch Unsichtbarkeit.

Was man lernen und trainieren kann: Präsentation, Moderation und Coaching
Coachingansätze, Moderationsmethoden und Präsentationstechniken lassen sich einfach praktikabel über klassische Weiterbildung erlernen: in Seminaren, Ausbildung oder per E-Learning. Das Gefühl für Stimmungen, die Souveränität und in der Gesprächsführung und eine Ausstrahlung, die Ruhe und Orientierung gibt, lassen sich dagegen nur durch Erfahrung erlernen: durch Erfolge, Misserfolge, durch Hinfallen, Aufstehen und Weitergehen.
 
Die Bewährungsprobe für Scrum Master: Was tun, wenn die Euphorie verflogen ist?
Von der Arbeit der Scrum Master profitieren nicht nur Teams und Product-Owner. So führt der Scrum Guide explizit als Aufgabe für den Scrum Master die Überzeugungsarbeit gegenüber weiteren Kollegen und Stakeholdern an, für die Scrum und agile Projektentwicklung noch Neuland sind. Das „Leiten und Coachen der Organisation bei der Einführung von Scrum“ hebt nicht nur der Scrum Guide, sondern auch viele Stellenanzeigen als wichtige Aufgabe hervor. Unternehmen suchen Scrum Master vor allem als Change Manager und Promotoren für das neue Denken und Handeln. Diese Aufgabe wird sich schon in wenigen Jahren oder Monaten verändern. Dann werden viele Unternehmen nicht vor der Einführung, sondern mitten im Ausbau oder im leisen Abschied von agilen Ansätzen stecken. Wenn agiles Arbeiten nicht mehr neu und aufregend ist und Patina angesetzt hat, reichen Kenntnisse und Euphorie und Begeisterung allein nicht aus. Wer es mit Kommunikationsstärke, Menschenkenntnis und Chuzpe schafft, den Zuspruch für Scrum und agiles Denken hoch zu halten, wenn der Zauber des Neuen verflogen ist, empfiehlt sich im Unternehmen auch für weitere Aufgaben.

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