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Britta Bonten
verfasst von Britta Bonten
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Die Welt ist im Umbruch und unser Arbeitsalltag wird nicht verschont von VUKA. Die vier Adjektive volatil, unsicher, komplex und ambig beschreiben den Charakter von VUKA, der sich insbesondere im Personalwesen zeigt. Wir klären auf und geben wertvolle Praxis-Tipps für HR-Verantwortliche.

Laut der Umfrage „HR Future-Trend 2017“ der AGENTUR ohne NAMEN zum Thema VUKA sind die Krankenstände in 64 Prozent der deutschen Unternehmen in den letzten drei Jahren zum Teil deutlich gestiegen. Neun von zehn Deutschen fühlen sich von ihrer Arbeit gestresst, so eine weitere Umfrage der pronova BKK „Betriebliches Gesundheitsmanagement 2018“. Ihr zufolge grübeln 54 Prozent der Befragten über ihre Arbeit, 53 Prozent schlafen schlecht. Mediziner betrachten psychischen Stress und Schlafprobleme als mögliche Burnout-Symptome. Der Studie zufolge sieht außerdem die Hälfte der Beschäftigten für sich ein mäßiges bis hohes Burnout-Risiko. Was bedeuten diese Zahlen nun für die Personalabteilungen, wenn sich jeder zweite Beschäftigte potenziell überfordert fühlt?

Jetzt kommt der Begriff VUKA ins Spiel.

Volatilität beschreibt in diesem Zusammenhang schwankende Mitarbeiterzahlen, die Fluktuation und sich ständig ändernde Anforderungen an Mitarbeiter, unabhängig der Hierarchiestufe. Die Marktbedingungen und Wettbewerbssituation ändern sich plötzlich durch Akquisen, Übernahmen oder auch Schließungen von Betrieben. Auch politisch greift mancher Akteur direkt in unser Wirtschaften ein durch längst totgeglaubte Instrumente, die aus der Mottenkiste zum Leben wiedererweckt werden (Zölle). Hätten wir noch vor 3 Jahren damit gerechnet?

Betrachten wir die derzeitige Fachkräftesituation, die Arbeitsmotivation der nachfolgenden Generationen und die Generationenfrage im Allgemeinen, so sehen wir Fragezeichen: Unsicherheit und Ungewissheit dominieren bei Unternehmenslenkern, wie es mit kleinen und mittleren Betrieben ohne Nachfolge weitergehen oder auch wie der Fortbestand des deutschen Handwerks angesichts fehlender Auszubildenden gesichert werden kann.

Praxis-Tipp: Investieren Sie Zeit in individuelle Entwicklung

Qualifizierte Mitarbeiter können es sich heute und besonders in VUKA-Zeiten erlauben, genau dort abgeholt zu werden, wo sie mit ihren Fähigkeiten und Stärken stehen. Sie haben es nicht nötig, auf irgendeinen vorbeifahrenden Zug (Entwicklungsmaßnahme) aufspringen zu müssen, dessen Ziel sie nicht kennen. Die mustergültige Personal-Entwicklungs-Maßnahme ist out. Wenn Sie auf den individuellen Entwicklungsbedarf Ihrer Teammitglieder eingehen oder konkrete Maßnahmen vorschlagen, haben Sie einen entscheidenden Beitrag zur Mitarbeiterzufriedenheit geleistet.

Komplexität begegnet uns beispielsweise in der Personalentwicklung, da die in der Vergangenheit entwickelten Maßnahmen heute nur noch bedingt oder gar nicht mehr greifen. Grund hierfür ist, dass die heutigen Karrierepfade von Mitarbeitern nicht mehr linear und damit nur schwer planbar sind. Auch erfolgt der gesamte Bewerberprozess aktuell nicht mehr à la: Wir schalten mal `ne Stellenanzeige, dann sichten wir wäschekörbeweise Bewerbungen und nach ein paar geführten Interviews wird der oder die Beste eingestellt. Heute gibt es erstens mehr und zweitens bessere (schnellere) Kanäle, um Talente zu finden, und drittens haben sich die Rollen auf dem Arbeitsmarkt 1:1 vertauscht.

Ambiguität, also Mehrdeutigkeit, erfahren wir zum Beispiel beim Verhältnis von Arbeit zu Freizeit. Work-Life-Balance an sich klingt zunächst nicht schlecht – wann aber sind Arbeit und Leben in Balance? Dies ist von Person zu Person verschieden und führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen. Verschiedene Arbeitsabläufe und neue Prozesse im Unternehmen sind folglich zu definieren und angesichts unterschiedlicher Arbeitsplatzanforderungen entsprechend vielfältig zu organisieren.

Praxis-Tipp: Wenden Sie VUKA bei sich selbst an!

Lernen Sie, umzudenken und das Bisherige zu hinterfragen! Nicht alles muss schlecht sein, aber stellen Sie Ihre eigenen Muster und bisherigen Arbeitsweisen auf den Prüfstand. Betrachten Sie sich und Ihr Team aus einer anderen Perspektive und distanziert genug, um eingefahrene Muster zu enttarnen. Werfen Sie den Teil über Bord, der Sie und Ihr Team bremst, und suchen Sie mit Ihrem Team nach funktionierenden, neuen Wegen (off-site Meeting, Brainstorming Sessions, Workshops …).

Ob VUKA allerdings die alleinige Ursache der oben erwähnten gesundheitlichen Probleme oder „nur“ eine Begleiterscheinung der globalen Veränderungen ist, können wir hier nicht so einfach klären. Fakt ist, dass in den letzten Jahren Dynamik, Tempo und Veränderungszyklen deutlich zugenommen haben: Was wir vor wenigen Jahren noch als schnell und dynamisch erachteten, empfinden wir heute als nervige Slo-mo. Wenn sich beispielsweise der angeklickte Link nicht in Lichtgeschwindigkeit öffnet, ist der User sofort weg. Eine zweite Chance gibt es meist nicht.

Was bleibt von Human Resource übrig, wenn der Mensch auf der Strecke bleibt? Ständiger Termindruck (34 Prozent), emotionaler Stress (30 Prozent), Überstunden und schlechtes Arbeitsklima (je 29 Prozent) zählen laut der Umfrage von pronova BKK zu den Hauptgründen für das Gefühl völliger Erschöpfung. Ergänzt wird dies durch Zahlen der Umfrage HR-Future Trend (2017): Gut die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen gab an, mehr als drei Change-Prozesse (Akquisen, Umstrukturierungen, Produktneuheiten…) in den letzten drei Jahren erlebt zu haben. Problem dieser Veränderungsprozesse ist es, dass sich viele Mitarbeiter nicht mitgenommen fühlen und emotional auf der Strecke bleiben. Das Ergebnis: Diese Mitarbeiter lehnen die ständigen Veränderungen ab oder werden immun (und mutieren zu passiven Zuschauern, die sich nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren). Damit verliert jede Veränderung ihren Schwung, die Demotivation der Belegschaft steigt. Wenn der äußere Druck der Unternehmen (durch Wettbewerb und Kostensenkungen) aber hoch bleibt oder angesichts von VUKA sogar weiter steigt, zeitgleich der innere Druck des Teams aber stagniert oder abfällt, bricht das Konzept in sich zusammen.

Fazit:

Einerseits sind wir selbst diejenigen, die unser Leben sicher ein Stück weit beschleunigen (und beschleunigen lassen). Andererseits sind wir genau diejenigen, die sich nur selbst wieder entschleunigen können, beispielsweise durch mehr Achtsamkeit und ein besseres Bewusstsein für ein gutes Zusammenspiel von Life & Work. Und beim Thema Work kommt HR ins Spiel, oder – um genau zu sein – die Rolle des HR-Verantwortlichen. Um den Joballtag trotz VUKA-"Virus" positiv zu gestalten und "Krankmacher" wie Druck und emotionalen Stress im Job zu reduzieren, kommt ihm eine entscheidende Verantwortung zu. Er können helfen, für sich selbst und alle Mitarbeiter die Arbeitswelt auch in VUKA-Zeiten erfolgreicher (als je zuvor?) zu gestalten.

Wir haben neun einfache Tipps für HR-Verantwortliche zur schnellen Umsetzung zusammengestellt:Download: Tipps für die VUCA-Welt

 

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